Sonntag, 01. August 2010

„Ich führe meinen Körper aus, wie andere ihren Hund“

Von:Kai Müller

Keine Zeit und trotzdem fit? Ein bisschen was geht immer –

mit der Kunhardt-Methode …


Vorsicht! Dieser Artikel könnte Sie jeglicher Ausrede berauben, warum Sie nichts für sich und Ihre Gesundheit tun können. Und manches vor Stolz strotzende Trainingstier wird sich durch die Kunhardt-Methode ausgebremst fühlen. Die ist die zarteste Versuchung, seit es Körpertrainings-Methoden mit Schokoladenseiten gibt: Sich nicht die Seele aus dem Leib rennen sondern lebenslustig durch den Alltag joggeln. Kleine Freudensprünge auf dem Trampolin machen, statt sich persönlichen Rekorden entgegenstrecken ... Ohne  geballte Faust im Kopf und ohne Gram ins Meeting gehen, indem man sich vorher einfach locker macht … Kurz: 

 

Gut bewegt, bewegt sich mehr.

Das in etwa ist die Philosophie von   Gert von Kunhardt. Der ehemalige Silbermedaillen-Gewinner im Fünfkampf wurde über viele Jahre Spitzensport selbst vom Harten zum Zarten. Heute steht er für den Begriff der  „subjektiven Unterforderung“ als Grundlage für nachhaltige Freude an Gesundheit fördernder Bewegung. Das Prinzip: Wer Sport macht, solle sich vornehmen, weniger zu tun, als er eigentlich könnte. „So laufen Leute, die zum ersten Mal im Leben joggen, eine halbe Stunde, ohne es zu merken“, zeigt der Gesundheits-trainer den Effekt auf. 95% aller Freizeitsportler, so Kunhardt offensichtlich immer wieder aufs Neue entsetzt, überschreiten die Laktatschwelle  (Übersäuerung) – Hölle für den Körper: „Trillionen von Sauerstoff-Radikalen brennen Löcher in die Zellwände …  

Sehen Sie sich Ex-Minister Joschka Fischer an. Als der zu joggen begann, alterte er blitzschnell.“   Wirklich viel für sich tun kann laut Kunhardt jeder, indem er sich täglich eher spielerisch als sportlich bewegt. Dabei favorisiert der Mann mit der vitalen Stimme in wasserklarem Norddeutsch 4 Alternativen: Hüpfen auf dem Trampolin, den (abendlichen) rund einstündigen Spaziergang, eine halbe Stunde Fahrrad fahren und das Joggeln – entspanntes vor sich Hintippeln in einer Geschwindigkeit, die „wahre“ Jogger müde lächeln lässt, aber alles andere als müde macht. Der Segen liegt in der guten Sauerstoffversorgung der Zellen durch Muskelkontraktion. 

 

Der Körper ist eine Apotheke. 

„Aus den 3 Millionen chemischen Substanzen, die er mit der Nahrung aufnimmt, “ erklärt Gert von Kunhardt, “kann der Körper jedes Medikament bauen. Aber diese Fabrik braucht Sauerstoff, um arbeiten zu können.“ 

Apropos arbeiten: Wer keine Zeit für Sport light nach Kunhardt hat oder noch eins draufsetzen will, macht die Bewegung einfach zum ständigen Begleiter:

Beim Telefonieren auf den Fußspitzen wippen („… schon eine Minute bringt 30% mehr Sauerstoff in die grauen Zellen.“) … Ski-Abfahrtshocke während des Zähneputzens … Anderen die Koffer tragen … Schulter rollen im Auto, an Ampeln oder im Stau die Beine vor und zurückschieben (lockert das Kreuzbein) …

 

Gelegenheit ist immer und es ist auch nie zu spät. 

Die größten Effekte beobachtet von Kunhardt bei Menschen zwischen 40 und 60.

„Zehntausend Schritte jeden Tag“, so laute  der Konsens der EG-Gesundheits-minister. „Leider kommen die meisten über 2.500 Schritte nicht hinaus.“ In Bewegung – vor allem reger Bewegung der Finger – sieht von Kunhardt einen entscheidenden Schritt gegen Demenz und Parkinson.   

Ob Stricken, Kartenspielen oder Musizieren – es gibt viele Wege, das Risiko dieser furchtbaren Erkrankungen durch ein fingeraktives Leben zu verringern.  

 

Vom Hecheln zum Lächeln in Nullkommanix

Frauen sind für die Kunhardt-Methode besonders empfänglich, weil „…dem Körper näher“. Ambitionierte Langläufer, Ärzte und Lehrer winken meistens ab. Wie schaffte ausgerechnet Kunhardt als Vizeweltmeister diese gewaltige Wende zum gewaltlosen „Sporteln“? „Eines Tages halbierte ich einfach die harten Vorgaben meines Trainers und da merkte ich, was mir wirklich hilft.“ Heute hilft von Kunhardt  vielen anderen in Form von Seminaren, vielen veröffentlichten Büchern (u.a. „Fit am PC“) und Beratungen bis hinein in hohe Managementebenen. Er ist Mastertrainer im Berufsverband Deutscher Präventologen und der Deutschen Gesellschaft für Adipositas-Selbsthilfe. Und offensichtlich ist der renommierte Gesundheitstrainer das Beste, was ihm selbst passieren kann: Zum Zeitpunkt des Telefon-Interviews machte sich Gert von Kunhardt gerade rund um seinen Wohnort Malente locker, um zum 10. Mal in  Folge Landesmeister von Schleswig-Holstein im Orientierungslauf zu werden. Wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag.

 

Aus: Die Jerusalemmer, Ausgabe 105 - September/Oktober 2010



Zur News-Übersicht

Schnellsuche

© kunhardt.de  .  TYPO3: Fixpunkt