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Manager aktuell

Zwischen Jagdinstinkt und Tastatur

Zugegeben - die Zeiten von Büffeljagd und Brautwerbung mit der Keule sind vorbei. Doch die gesellschaftliche Übung allein überzeugt noch lange nicht den Jäger- und Sammler-Stoffwechsel.

 

Den Kunden zu verprügeln oder einfach wegzurennen, wie wir es als Savannenläufer in der Jungsteinzeit bei Stress gewohnt waren, gilt heute nicht mehr als angebracht. Wir sind innerhalb eines Menschenalters vom Muskel- zum Nervenarbeiter mutiert. Geblieben sind die archaischen Reflexe bei Anspannung: Adrenalin wird ausgeschüttet, Adern verengen sich, das überschüssige Cholesterin lagert sich infarktgefährlich an den Aterien ab, weil es nicht verbrannt wird, weil wir eben doch auf dem Bürostuhl sitzen bleiben, den Aufzug benutzen, im Auto nach Hause fahren.

 

Der müde Manager

 

Der Manager von heute verbraucht 600 Kilokalorien am Tag weniger als vor 25 Jahren, er geht nur noch zwei Kilometer am Tag statt 20 Kilometer vor 50 Jahren. Allein das schnurlose Telefon spart uns 20 Kilometer Weg im Jahr. Die normale Muskelspannung ist in den vergangenen 20 Jahren deutlich angestiegen - ein Muskel, der nur zu einem Drittel angespannt ist, verhindert jede weitere Durchblutung. Über 80 Prozent der Kopfschmerzen sind von verspannter Nackenmuskulatur verursacht. Schon die 40jährigen leiden an Knorpeldeformationen - weil ihre kaum bewegten Gelenke nicht versorgt werden. 17.000 Stunden unseres Berufslebens verbringen wir im Stau. Bewegungsmangel verursacht 80 Prozent aller Zivilisationskrankheiten wie Herzkreislaufstörungen, Krebs, Gelenkdeformationen, Bandscheibenprobleme, Schlaflosigkeit oder Kopfschmerzen. Neun von zehn Herzinfarkten entstehen durch mangelnde Bewegung zusammen mit falscher Ernährung.

Solange die Politik sich mit Kosten und Umverteilen statt mit Gesundheit beschäftigt, steckt in bewegten Mitarbeitern für die Wirtschaft mehr Produktivitätspotential als in schnelleren Computern, sagt Gert von Kunhardt, Bad Malente, ehemaliger Fünfkampf-Vizeweltmeister und Sportdezernent der Bundeswehr, der heute Manager und Firmen bei Gesundheitsfitness berät. "Muskeln sind ja nicht nur zur Bewegung da - sie sind das Stoffwechsel-Organ: Sie können jeden Stoff selber herstellen, der sonst mal eben schnell als Medikament geschluckt wird."

Das Problem: Gesundheit und Ausdauer hätten nichts mit den Vorstellungswelten zu tun, die uns Werbespots vermitteln oder die neonbunten, ewig jungen Fitness-Clowns, die den Arbeitsstreß in den Feierabend verlängern. Im Gegenteil: "Es dauert eine Viertelstunde, bis sich der Körper auf den neuen Sauerstoffbedarf eingestellt hat." Schnelles Joggen und Leistungssport produzieren freie Radikale, also Abfallprodukte des Stoffwechsels, die das Immunsystem und die Zellen schädigen und das Altern beschleunigen. "Und sie entmutigen, vermiesen den Spaß an Bewegung." So geben die meisten schnell wieder auf.

 

Immer in Bewegung - aber in Maßen!

 

Die Lösung: "Nur stressfrei optimiert der Körper seinen Organismus." Nur moderate Bewegung baut das Immunsystem auf, nur dann produziert der Körper Fett verbrennende Enzyme. Nicht der Marathonlauf ist also das Ziel, sondern ein durchweg bewegtes Leben: Jedes Dehnen, jedes Fingerschnippen erhöht den Stoffwechsel in den Muskeln und damit den körpereigenen Zellen-Reparaturbetrieb. Im Stehen telefonieren, Schulter rückwärtsrollen, Kopfbewegungen, Zähneputzen in der Abfahrtshocke - jedes "Minutentraining" bringt Gewinn, Lebensenergie, Gesundheit. Dreimal in der Woche 15 Minuten langsames joggen, so langsam, dass man sich subjektiv unterfordert fühlt, kostet weder Geld, Zeit noch Anstrengung, lässt sich aber nicht delegieren.

 

Tastatur statt Jäger-Keule

 

Wer beim Denken im Großraumbüro auf und ab geht, sollte bewundert, nicht belächelt werden, meint Gert von Kunhardt: "Betrachten Sie die Spazier-Denkrunde um das Bürogebäude als Teil der Arbeit. Stellen Sie ein Trampolin oder ähnliches auf, damit Mitarbeiter dort in fünf Minuten soviel Sauerstoff aufnehmen können wie sonst bei einem 3000-Meter-Lauf. Verbringen Sie den Betriebsausflug nicht im Bus und Restaurant, sondern wandern Sie. Befördern Sie gesunde Bewegung in den Rang betrieblicher Weiterbildung." Unternehmen wie General Electric, Control Data, Mesa Petroleum sparten durch Fitness-Investitionen im Durchschnitt 50% der sonst üblichen Kosten. Pepsi-Cola investierte 1 $ pro Mitarbeiter und sparte dadurch 3 $. Der für das Savannenlaufen (nicht Leistungsjoggen) konstruierte Steinzeitmensch tauge dann auch als Informationsarbeiter casino-spiele-kostenlos.org.

 

(Erik Händeler/Bild: jobpilot)

 

Quelle dieses Textes:

 Externer Link, öffnet in neuem Fensterhttp://www.jobpilot.de/content/journal/beruf/stress19-02.html

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